Der strukturelle Rückgang der Klickrate durch Googles KI-Antworten setzt Webmedien unter Druck: Studien aus Großbritannien, Deutschland und den USA zeigen erhebliche Einbrüche bei Zugriffs‑ und Interaktionsraten, während Regulierer und Publisher reagieren. In wenigen Absätzen fassen wir die wichtigsten Befunde, betroffene Akteure und die Folgen für Online-Marketing und Werbeeinnahmen zusammen.
Studie von Authoritas: Wie AI Overviews klassische Treffer verschieben
Die britische SEO-Plattform Authoritas analysierte mehr als 3.500 Keywords und dokumentierte für den Zeitraum 16.–22. April 2025 deutliche Auswirkungen durch Googles automatisierte Antwortfelder. Bei rund 12 Prozent der Abfragen erschienen sogenannte AI Overviews, die Nutzerinformationen direkt oberhalb der organischen Ergebnisse anzeigen.
Daten, Mechanik und unmittelbare Folgen für Webmedien
Authoritas fand, dass auf Desktopseiten traditionelle Treffer im Schnitt um 382 Pixel nach unten rutschten, auf Mobilgeräten um 344 Pixel. Das führte zu starken Einbrüchen der Klickrate: auf Desktop durchschnittlich −47,5 %, auf Mobilgeräten −37,7 %, selbst wenn die betreffende Seite in der AI‑Übersicht verlinkt war. Für einige Top‑Platzierungen betrug der Traffic‑Rückgang laut Studie bis zu 79 Prozent.
Die Analyse zeigt zudem, dass Videoplattformen wie YouTube häufiger in oberen Bereichen auftauchen als klassische Publisher — ein Muster, das Beobachter als mögliche Priorisierung durch Google interpretieren. Diese Beobachtung beeinflusst die mediale Sichtbarkeit und damit die künftige Mediennutzung stark.

Ergebnisse für den deutschsprachigen Raum: Wordsmattr und Bestätigungen
Unabhängige Auswertungen aus dem DACH‑Raum unter anderem von Wordsmattr bestätigen einen signifikanten Effekt: Seit dem Start der Google AI Overview in Deutschland und Österreich am 26. März 2025 sanken Klicks im Mittel um 17,8 %, die CTR um 14 %.
Methodik, Nebenbefunde und Handlungsempfehlungen
Wordsmattr untersuchte 125 SEO‑optimierte Landingpages über den Zeitraum 26. März bis 4. April 2025 und normalisierte für saisonale Effekte. Während Impressionen im Schnitt nur um 1,2 % zurückgingen, verzeichneten einzelne Seiten bis zu +50 % mehr Impressionen — ein Indiz für erhöhte Sichtbarkeit ohne Interaktion.
Analysten warnen, dass die starke Personalisierung der AI‑Antworten, die lokale Signale und vergangenes Nutzerverhalten stärker gewichtet, die Arbeit klassischer SEO‑Strategien erschwert. Als Gegenmaßnahmen nennen Experten etwa die Anpassung der Content-Strategie, verstärkten Einsatz von strukturierten Daten und die Diversifikation über Newsletter, Apps und Social Media. Lukas Gehrer, Gründer von Wordsmattr, bezeichnete die Zahlen als „Weckruf“ für die Branche.
Regulatorische Reaktionen und Folgen für Digitales Marketing
Die Debatte hat inzwischen politische Dimension: Die britische Wettbewerbsbehörde CMA prüft, ob Google seine marktbeherrschende Stellung mit AI Overviews missbraucht. Mehrere große europäische Nachrichtenhäuser haben Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht und fordern die Aussetzung der Funktion bis zur Klärung.
Wirtschaftliche Konsequenzen für Webmedien und Werbetreibende
Für Verlage und digitale Medien bedeutet der strukturelle Rückgang der Klickrate konkrete Einnahmeverluste: weniger Pageviews bedeuten weniger Anzeigenimpressionen und sinkende CPM‑Effekte. Studien aus den USA (u. a. Seer Interactive) dokumentierten bereits CTR‑Einbrüche von bis zu 55 % bei informatorischen Anfragen.
Diese Entwicklung verändert das Feld des Online-Marketing: Kampagnenplanung, KPI‑Definitionen und Erfolgsmessung müssen neu gedacht werden. Regulatorische Prüfungen könnten zudem Einfluss auf die Balance zwischen Plattforminteressen und externen Content‑Partnern haben — eine Weichenstellung für den kommenden Medienwandel.
Die Debatte über AI Overviews bleibt dynamisch: technische Experimente von Google, laufende Regulierungsprüfungen und weitere Marktanalysen werden bestimmen, ob Publisher dauerhafte Anpassungen an ihrer Content-Strategie und ihren Traffic‑Quellen vornehmen müssen, um Reichweite und Werbeeinnahmen zu stabilisieren.




